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Fernweh: 8 Tipps für deine nachhaltige Reise

Der Frühling lockt uns auf die Straßen und bereitet uns Lust nach Aufbruch, Ferne, neuen Erlebnissen. Geht es ums Verreisen, sind wir Deutschen die absolute Nummer Eins: Laut einer Studie der Forschungsgemeinschaft FUR waren es im Jahr 2017 über 54 Millionen Menschen, die sich dem Fernweh hingegeben und mindestens eine Urlaubsreise angetreten haben.
Eine Statista-Umfrage zeigt außerdem, dass sich ganze 70 Prozent der Deutschen wenigstens manchmal Gedanken um den Nachhaltigkeitsfaktor beim Reisen machen - und damit, dass die Umwelt den Menschen am Herzen liegt.

Doch umwelfreundlich zu Reisen mag vielleicht anfangs nach Einschränkung, nach Abstrichen klingen. Die Umweltdatenbank definiert nachhaltiges Reisen so:

Als nachhaltig wird Tourismus dann angesehen, wenn er einen Umgang mit allen Ressourcen in einer Art und Weise ermöglicht, dass ökonomische, soziale und ästhetische Bedürfnisse erfüllt werden können und gleichzeitig die kulturelle Integrität, essentielle ökologische Vorgänge und die Biodiversität erhalten bleiben.

Also: Nachhaltigkeit ist kein Verzicht sondern ein Mehrwert - für die Umwelt und den Reisenden. Damit auch der Urlaub umweltbewusst gestaltet und deine Reise dabei noch atemberaubender werden kann, gibt es ein paar Dinge, die sich ohne großen Aufwand vor der Reise und auch währenddessen planen lassen.
Vielleicht helfen dir ja ein paar der Tipps bei deinem nächsten Urlaub!

1. Bodenständig statt abgehoben

Auch wenn es bei weit entfernten Reisezielen nicht möglich ist, auf das Flugzeug zu verzichten, ist es bei näheren Zielorten durchaus eine Überlegung wert. Denn die Treibhausgase, die das Flugzeug erzeugt sind wesentlich schädlicher, als die Abgase, die durch Fahrzeuge am Boden entstehen.
Ermöglicht es die Entfernung, ist ein Roadtrip ohnehin vielleicht die schönere Variante - die vorbeiziehende Landschaft zu genießen und ein paar ganz ungeplante Zwischenstopps einzulegen, machen die Reise intensiver, spannender, unvorhersehbarer. Auf eine gute Art und Weise. Und wer noch eins oben drauf setzen will, kann sich als Mitfahrgelegenheit anbieten. So wirds auf der langen Fahrt auch nicht langweilig.

Auch den Zug oder den Fernbus zu nehmen ist eine gute Alternative, wobei Energie sparen und Geld sparen hier oft Hand in Hand gehen.
Liegt das Reiseziel in näherer Umgebung, bietet sich auch das Fahrrad als Transportmittel an. Damit ist man umwelttechnisch in jedem Fall auf der sicheren Seite. So wird nicht nur das Ziel, sondern auch die Reise zum Erlebnis.
Natürlich funktioniert hier der nachhaltige Weg nicht immer, jedoch ist es bei der Reiseplanung immer eine Überlegung wert, sich vielleicht für eine Alternative zum Flugzeug zu entscheiden.

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2. Die Mischung macht's

Unter Umweltaspekten kann es sinnvoll sein, ein nicht allzu weit entferntes Reiseziel zu wählen. Sowieso bietet sich keine Jahreszeit für einen Städtetrip besser an, als der Frühling, der mit wärmender Sonne und frischer Frühjahrsluft durch die Straßen von Wien, Prag, Paris und Co. streift und uns Lust auf Aufbruch macht. Soll es ein weit entferntes Ziel sein, ist es für Umwelt und das Reisetagebuch positiv, die Reisezeit der Entfernung anzupassen und gleich einige Wochen für den Urlaub einzuplanen. Im gleichen Zuge kann man, falls es der Kalender hergibt, vielleicht das ein oder andere Nachbarland oder einen weiteren nahegelegenen Ort mitzunehmen, wenn man sowieso bereits in der Ecke ist. So lohnt sich die zurückgelegte Flugstrecke gleich doppelt.

3. Mach's dir leicht

...und pack nicht so viel ein. Vielleicht überlegst du beim nächsten Kofferpacken vor einer anstehenden Reise bei einigen Dingen zweimal, ob du sie wirklich brauchst. Denn je schwerer das Gepäck, desto höher ist der Treibstoffverbrauch beim Flug. Und: Mit schwerem Gepäck ist man wesentlich unflexibler und weniger spontan, als mit einem leichtbepacktem Rucksack, mit dem man sich in jedes neue, unerwartete Abenteuer stürzen kann.

4. Weniger ist mehr: Verzichte auf All-Inclusive

Einfacher als mit dem Buchen einer Pauschalreise geht die Urlaubsplanung wahrscheinlich gar nicht. Das macht den All-Inclusive-Urlaub jedoch längst nicht zur besten Möglichkeit, die Ferien zu verbringen. Bei keiner anderen Reiseart bleibt man so sehr in seiner Touristenblase stecken und bemerkt vermutlich gar nicht, was man alles drumherum verpasst. Und bekommt vom eigentlichen Land und seiner Kultur vielleicht kaum etwas mit. Das fängt bereits beim Essen an und zieht sich über die gesamte Tagesgestaltung. Zudem unterstützt man mit der Buchung von All-Inclusive häufig nicht das Land und seine Einwohner, sondern riesige internationale Tourismuskonzerne. Diese schaden den Bewohnern enorm, die mit kleineren Betrieben in diesem Bereich tätig sind.

5. Go digital

Gestalte deine Reise so digital wie möglich und verzichte auf unnötigen Papierkram. Denn das Handy tragen wir sowieso immer in der Hosentasche mit uns - und die allermeisten Anbieter ermöglichen es, Tickets digital auf ihrem Handy zu hinterlegen, statt diese ausdrucken zu müssen. Beispielsweise auch bei Karten gibt es immer die Alternative, sie digital zu downloaden, statt in Papierform mit sich herumzuschleppen.

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6. Stay save

Mache dich am besten mit deiner Unterkunft vertraut, bevor du sie buchst. Hotels, Appartments und Co., die ihr Management nachhaltig und umweltfreundlich gestalten, preisen dies bei ihrem Internetauftritt an.

Siegel sind ein weiterer Punkt, auf den du achten kannst, wenn du deinen Trip möglichst nachhaltig gestalten willst. Reiseportale, Hotels etc., die auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind, schmücken sich mit entsprechenden Umweltsiegeln. Wir zeigen dir eine Auswahl von vier etablierten Siegeln:

  1. Das Viabono-Siegel
    Dieses vom Umweltbundesamt eingeführte Siegel zeichnet Unterkünfte, Reisedienstleister und auch Restaurants auf, wenn diese nachhaltig organisiert sind und arbeiten. Dies wird durch regelmäßige Checks von beispielsweise Energie, Wasser und Abfallentsorgung wird gewährleistet, dass das auch so bleibt.
  2. Die Blaue Flagge
    Dieses Zertifikat ist ausschließlich auf Strände ausgelegt - das Siegel findest du an Orten, an denen nachhaltiger Tourismus zählt. Auch hier werden gewisse Kontrollen zugunsten der Umwelt regelmäßig durchgeführt.
  3. Das TourCert-Siegel
    Diese etablierte Auszeichnung bekommen nur die Reiseanbieter, die umfassende Nachhaltigkeitschecks durchlaufen und bestanden haben. Auch hier kannst du definitiv guten Gewissens buchen.
  4. Das Travelife-Siegel
    Auch Travelife ist ein Zertifikat für Nachhaltigkeit und wird an Hotels und Unterkünfte vergeben, die Nachhaltigkeitsmanagement betreiben. Auch hier fließen Kriterien wie Energieverbrauch, Schutz der lokalen Bevölkerung, Menschenrechte etc. ein.

6. Sei Gast

...und benimm dich auch so. Denn viel zu häufig ist zu beobachten, dass die Menschen im Urlaub nicht nur ihre Verantwortung bezüglich ihres Jobs für ein paar Tage und Wochen vergessen, sondern in sämtlichen anderen Lebensbereichen dasselbe tun. Wie auch Zuhause sollte die Umwelt und Natur stets respektiert werden und kein Abfall achtlos liegen gelassen werden - völlig egal wo. Denn ist man Gast bei einem Freund, ist man schließlich auch darum bemüht, möglichst wenig unerfreuliche Spuren zu hinterlassen.

7. Nutze lokale Angebote

Indem du Angebote und Produkte direkt aus der Region wahrnimmst und konsumierst, unterstützt du dein Gastland enorm - und lernst nebenbei noch sehr viel mehr von dessen Kultur kennen. Das macht gleich viel mehr Spaß, als die Abende im Restaurant einer riesigen internationalen Hotelkette zu sitzen, um seine Spaghetti Bolognese auch im Vietnam serviert zu bekommen.

Auch lohnt es sich, Freizeitangebote zu nutzen, die zu deiner Destination passen. Denn ein Skigebiet am Äquator kann wohl kaum im Sinne der Umwelt sein. Auch ist das Schöne: Du erlebst Dinge, die dir Zuhause vielleicht nicht geboten werden.

8. Gehe deine eigenen Wege

Informiere dich umfassend vor deiner Reise und vor allem auch bei Einheimischen deines Gastlandes darüber, welche Orte man unbedingt sehen muss, welche Routen man unbedingt gehen muss. Folgst du den typischen Touristenrouten, entgeht dir vielleicht eine ganze Menge - und die Chance, unberührter Natur zu begegnen, wird gleich noch geringer.
Vielleicht muss man den ein oder anderen Umweg auf sich nehmen und Wege abseits des normalen Verkehrs beschreiten - doch es gibt Möglichkeiten. Und am besten Bescheid wissen darüber die Menschen vor Ort.
Auch so kannst du dein Reiseerlebnis noch außergewöhnlicher machen und dabei noch darauf verzichten, den Massentourismus zu fördern - sondern stattdessen dem Gastland und lokalen Anbietern, Läden und Menschen, die normalerweise eher wenig vom Tourismus profitieren, einen Mehrwert zu erbringen.

Natürlich gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, eine Reise noch umweltfreundlicher zu gestalten - diese Basics kann jedoch jeder ganz einfach und schnell umsetzen. Gerade für Backpacker und Abenteuerliebhaber bringen diese Tipps gleich einen doppelten Mehrwert. Es ist nicht schwer, auch im Urlaub auf seine Umwelt zu achten, wenn man ein paar Kleinigkeiten im Hinterkopf behält.
Und jetzt auf mit dem Rucksack, rein in die Bahn und viel Spaß bei deinem nächsten Urlaub!

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