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(K)ein Happy End? - Was die Fusion von E.ON und Innogy für dich bedeuten könnte.

Seit kurzem herrschen andere Winde in der deutschen Energiebranche: Aufregung und Kontroverse machen sich breit, wenn es darum geht, wie sich der Megadeal zwischen E.on und RWE auf den Verbraucher auswirken könnte.

Fest steht: Mit diesem Deal enstünde einer der größten Energieversorger in Europa - ein Megakonzern. E.on und RWE wollen ihre Geschäfte untereinander aufteilen. Dabei soll die RWE-Ökostromtochter Innogy von E.on aufgekauft und somit zerschlagen werden.
Was diese mögliche Entwicklung nun für den Verbraucher bedeutet, ist unklar. Die Meinungen sind vielfältig.

Verbraucherschützer glauben: Die Preise werden sinken.

Da es sich bei Innogy um einen sehr teurer Anbieter handele sei zu hoffen, dass E.on die Strompreise verringern wird, so Klaus Müller, der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zum Handelsblatt.
Jedoch sei eine kritische Untersuchung des Kartellamts notwendig. Gerade der Strommarkt ist ein stark umkämpfter Markt - deshalb darf man hier nicht nachlässig werden, damit Leidtragender letztendlich nicht der Endverbraucher ist.
Die Schwächen im Bereich Ökostrom könnten sich sogar als profitabel für den Energiemarkt erweisen, indem Stadtwerke und mittelständische Unternehmen die Schwachstelle für sich nutzen könnten.
Claudia Kempfert, Expertin des DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), versucht, Ängste vor in die Höhe schießenden Preisen zu mindern: „Im Bereich Ökostrom ist der Anteil von Eon oder RWE/Innogy zu klein, als dass er etablierten Ökostromanbietern ernsthaft Konkurrenz machen könnte.“

Kritiker warnen vor steigenden Strompreisen.

Doch gibt es auch zahlreiche Stimmen, darunter der Ökostrom-Anbieter Lichtblick, die vor einem Megakonzern mit derart großer Marktmacht warnen: Der Deal gefährde den Strommarkt, da somit ein Wettbewerber ausscheidet. Der ohnehin als zu gering kritiserte Wettbewerb in Deutschland verringert sich noch weiter, wenn aus vier großen Anbietern drei werden. "Der deutsche Strommarkt leidet ja immer noch unter zu wenig Wettbewerb, und die niedrigen Börsenpreise kommen bei den Verbrauchern nach wie vor nicht an“, äußert sich die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tabea Rößner, gegenüber dem Handelsblatt.
Und auch kleinere Anbieter sind abhängig von eben jenen Großkonzernen, die die Netze betreiben und sich im Besitz der Kraftwerke befinden. So verteilt sich beispielsweise Innogy mit zahlreichen Marken über den Strommarkt, unter anderem Eprimo, Süwak und die Lechwerke. Wer unter dieser Tendenz schlussendlich leiden könnte, ist der Stromkunde am Ende der Kette - für ihn könnten die Preise steigen.

Den Anbieter wechseln?

Klaus Müller (VZBV) impliziert, dass der Verbraucher einen Anbieterwechsel abwägen sollte. So stellen beispielsweise Stadtwerke eine Alternative. Denn die Energiemärkte sind liberalisiert - somit kann sich jeder frei für einen Anbieter entscheiden.
Dass solche jedoch noch immer zu wenig verglichen werden, zeigt eine DIW-Studie: etwa 30 Prozent aller Stromkunden befänden sich noch im teuren Grundversorgungstarif. Dieser tritt dann in Kraft, wenn der Kunde keinen anderen Tarif mit dem Versorger vereinbart. Außerdem stellen die Energieriesen laut der DIW-Studie zwar in 59% der untersuchten Gebiete den Grundversorger, allerdings bieten sie nur in 22% der Fälle den günstigeren Tarif an. Preiswertere Alternativen finden sich demnach eher bei unabhängigen Einzelhändlern, die jedoch nur drei Prozent der Grundversorger stellen.

Ob aus den großen Plänen von E.on und RWE nun Realität werden soll, ist noch unklar. Es liegt an den Aufsichtsräten der Versorger und den Kartellbehörden, dem Deal zuzustimmen - oder eben nicht. Und darüber, inwiefern sich die Entscheidung dann auf den Stromverbraucher auswirken wird, kann man bislang nur spekulieren. Trotzdem ist es wichtig, sich von Anfang an damit auseinanderzusetzen, um dann bestmöglich auf kommende Veränderungen vorbereitet zu sein.


Photo by Jason Blackeye on Unsplash

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